Vortragende
Die Moderation erfolgte durch Christoph Eichler.
Der interviewpartner ist Arisca Droog (Co-Chair Airport Domain)
Beschreibung
Voices of openBIM with Arisca Droog zeigt, warum die Arbeit der buildingSMART Airport Domain weit über die Luftfahrt hinaus relevant ist. Als Product Owner Information Management für das Asset Management am Schiphol Airport und als Co-Chair der buildingSMART Airport Domain verbindet Arisca Droog praktische Betriebserfahrung, Informationsgovernance und den Bedarf an strukturierter Zusammenarbeit über Organisationen und Domänen hinweg.
Das Interview macht deutlich, dass viele Herausforderungen, die zunächst domänenspezifisch erscheinen, in Wirklichkeit in mehreren Sektoren gleichermaßen auftreten. Fragen nach Objektdefinitionen, konsistenter Terminologie, Governance und Informationsübergaben sind keine reinen Flughafenthemen. Der Beitrag der Airport Domain besteht in diesem Zusammenhang darin, diese Themen praxisnah zu identifizieren, mit Stakeholdern zu validieren und in gemeinsame buildingSMART-Strukturen wie die bSDD-bezogene Entitätenarbeit zu überführen.
Gerade dadurch wird das Gespräch strategisch über den Luftfahrtsektor hinaus relevant. Es zeigt, wie eine Domäne als Katalysator für breitere Standardisierung wirken kann, indem sie Anforderungen aus der Praxis bündelt und in eine Form bringt, die domänenübergreifend diskutiert und weiterverwendet werden kann. In diesem Sinne ist das Interview mit Arisca Droog nicht nur ein Beitrag über Flughäfen, sondern auch darüber, wie sich openBIM durch gemeinsame Strukturen, stärkere Governance und bewusstere domänenübergreifende Zusammenarbeit weiterentwickeln kann.
Zusammenfassung
From a contextual perspective…
Arisca Droog spricht aus einer Position, die operative Realität mit strukturierter Standardisierungsarbeit verbindet. In ihrer Rolle am Schiphol Airport und als Co-Chair der buildingSMART Airport Domain ist sie unmittelbar mit der Herausforderung konfrontiert, Informationen über organisatorische Grenzen, Projektphasen und technische Systeme hinweg nutzbar zu machen. Das verleiht ihrem Interview eine besonders hohe Praxisrelevanz. Das Gespräch startet nicht bei abstrakter Theorie, sondern bei der Frage, wie Informationen in realen Asset- und Flughafenumgebungen konsistenter und mit weniger Reibungsverlusten übergeben werden können.
From a market perspective…
Ein zentrales Thema des Interviews ist, dass der Markt mit wachsendem Interesse auf die Arbeit der Airport Domain blickt, auch wenn viele Stakeholder das Thema noch vorsichtig angehen. Diese Zurückhaltung ist nachvollziehbar, weil Organisationen zunächst verstehen wollen, ob neue Strukturen ihre Arbeit tatsächlich unterstützen. Gleichzeitig zeigt das steigende Interesse von Flughafenbetreibern, Lieferanten und weiteren Akteuren, dass ein realer Bedarf nach mehr Klarheit bei Datenstrukturen, Objektdefinitionen und Handover-Logiken besteht. Das Marktsignal ist daher nicht Ablehnung, sondern vorsichtige Beobachtung bei gleichzeitig wachsender Bereitschaft zur Beteiligung.
A central observation is…
Eine der stärksten Beobachtungen von Arisca ist, dass viele Herausforderungen, die zunächst als „flughafenspezifisch“ gelten, in Wahrheit nicht auf Flughäfen beschränkt sind. Im Rahmen der Airport Entities Initiative begann die Domain damit, flughafenrelevante Objekte zu identifizieren, die im IFC-Schema entweder fehlten oder in der Praxis nicht ausreichend harmonisiert waren. Dabei wurde jedoch schnell deutlich, dass viele dieser Objekte – oder zumindest die zugrunde liegenden Strukturfragen – mit anderen Domänen wie Rail, Infrastruktur und potenziell weiteren Bereichen geteilt werden. Damit verschiebt sich der strategische Fokus: Die eigentliche Aufgabe besteht nicht mehr nur darin, domänenspezifische Inhalte zu definieren, sondern zu erkennen, wo gemeinsame Entitäten und geteilte Strukturen domänenübergreifend entwickelt werden können.
From a technical standpoint…
Technisch verweist das Interview auf die wachsende Bedeutung strukturierter Entitäten-Governance, insbesondere in Bezug auf das buildingSMART Data Dictionary (bSDD). Arisca beschreibt, wie die Airport Domain Umfragen und Branchenfeedback genutzt hat, um Benennungen und IFC-Mappings zu testen und diese Ergebnisse anschließend in bSDD-bezogene Arbeit zu überführen. Das ist deshalb relevant, weil es einen Weg aufzeigt, wie praktische Fragmentierung in strukturierte und wiederverwendbare Information übersetzt werden kann. Gleichzeitig wird deutlich, dass Technologie allein nicht ausreicht. Technische Werkzeuge und Strukturen mögen vorhanden sein, ihr Wert hängt jedoch von Governance ab: Wer definiert Entitäten, wo werden sie publiziert, wie werden gemeinsame Entitäten behandelt und wie wird domänenübergreifende Konsistenz sichergestellt?
Looking ahead…
Mit Blick nach vorn zeigt das Interview klar, dass stärkere domänenübergreifende Zusammenarbeit der nächste notwendige Schritt ist. Arisca beschreibt einen Moment, in dem mehrere Domänen beginnen zu erkennen, dass gemeinsame Sessions, eine abgestimmte Sicht auf Entitäten und koordiniertere Governance erforderlich sind. Daraus lässt sich ableiten, dass die zukünftige Entwicklung von openBIM nicht nur von besseren technischen Definitionen abhängt, sondern auch von Frameworks, die Zusammenarbeit zwischen Domänen systematisch statt zufällig ermöglichen. Die Airport Domain kann dabei als wichtiges Beispiel dienen, weil sie bereits gezeigt hat, wie Stakeholder-Feedback, Pilotanwendungen und strukturierte Validierung in ein praktisches Arbeitsmodell überführt werden können.
In a broader context…
Im größeren Zusammenhang zeigt das Interview mit Arisca Droog, dass die Zukunft von openBIM zunehmend davon abhängt, spezialisierte Arbeit mit gemeinsamen Strukturen zu verbinden. Die Airport Domain ist nicht nur deshalb relevant, weil Flughäfen komplexe Assets sind, sondern weil die dort entwickelten Methoden – Entitäten identifizieren, sie mit der Praxis testen und in gemeinsame Strukturen überführen – für die gesamte Branche von Bedeutung sind. Ihr Beitrag ist daher mehr als ein reines Domänen-Update. Er markiert eine allgemeine strategische Richtung für buildingSMART: weg von isolierter Domänenentwicklung hin zu einer stärker koordinierten, gesteuerten und domänenübergreifenden Informationsarchitektur.
