Vortragende
Die Moderation erfolgte durch JTina Krischmann.
Der Interviewpartner ist Erik de Keyser, CEO und Co-Founder von Qonic.
Beschreibung
Erik de Keyser ist CEO und Co-Founder von Qonic. Er bringt damit eine dezidierte Softwareperspektive in die Serie „Voices of openBIM“ ein. Sein Interview zeigt, wie moderne Softwareentwicklung dazu beitragen kann, BIM und openBIM aus einer rein expertengetriebenen Nische herauszuholen und für breitere Nutzergruppen zugänglicher, verständlicher und produktiver zu machen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie offene Standards, nutzerfreundliche Werkzeuge und datenbasierte Prozesse zusammenwirken müssen, damit openBIM im Markt tatsächlich skaliert.
Das Gespräch ergänzt die bisherigen Chapter-, Domain- und Auftraggeberperspektiven um eine starke Sicht aus der Softwareindustrie. Erik beschreibt, dass der Wert von BIM nicht allein in der Modellierung liegt, sondern in der Fähigkeit, Informationen strukturiert, visuell verständlich und kollaborativ nutzbar zu machen. Dabei wird deutlich, dass Software eine Schlüsselrolle spielt: Sie entscheidet mit darüber, ob offene Standards für Anwenderinnen und Anwender als technische Hürde erscheinen oder als produktiver Zugang zu besseren digitalen Arbeitsweisen.
Zusammenfassung
From a contextual perspective…
Das Interview mit Erik de Keyser ordnet openBIM aus einer Software- und Produktentwicklungsperspektive ein. Als CEO und Co-Founder von Qonic steht Erik für eine neue Generation von BIM-Software, die nicht nur technische Modellierungsfunktionen bereitstellen will, sondern die Arbeit mit digitalen Bauwerksinformationen zugänglicher, visueller und kollaborativer machen möchte. Innerhalb der Serie ergänzt seine Perspektive die Stimmen aus Chaptern, Domains, öffentlichen Auftraggebern und Normung um die Frage, wie offene Standards tatsächlich in nutzerfreundliche Werkzeuge und skalierbare Arbeitsweisen übersetzt werden.
From a market perspective…
Aus Marktsicht zeigt Erik, dass BIM und openBIM breiter nutzbar werden müssen, wenn sie in der gesamten Branche Wirkung entfalten sollen. Viele Anwenderinnen und Anwender erleben BIM noch immer als komplex, technisch anspruchsvoll und stark von Spezialwissen abhängig. Moderne Software kann hier eine entscheidende Brücke schlagen. Sie kann offene Standards in Arbeitsumgebungen übersetzen, die weniger von Dateikonvertierung, technischen Barrieren und Expertenwissen geprägt sind, sondern stärker von unmittelbarer Nutzbarkeit, visueller Verständlichkeit und produktiver Zusammenarbeit. Damit wird Software zu einem zentralen Hebel für die Skalierung von openBIM.
A central observation is…
Eine zentrale Beobachtung des Interviews ist, dass openBIM nicht nur durch bessere Standards erfolgreich wird, sondern durch bessere Umsetzung in Software. Standards entfalten ihren Wert erst dann, wenn Nutzerinnen und Nutzer sie in realen Arbeitsprozessen anwenden können, ohne permanent mit technischer Komplexität konfrontiert zu sein. Erik macht damit deutlich, dass die Softwareindustrie nicht nur Empfänger von Standards ist, sondern ein aktiver Übersetzer zwischen technischer Spezifikation und praktischer Wertschöpfung. Genau an dieser Schnittstelle entscheidet sich, ob openBIM als Infrastruktur für die Branche wahrgenommen wird oder als zusätzliches technisches Hindernis.
From a technical standpoint…
Aus technischer Sicht steht im Mittelpunkt, wie strukturierte Bauwerksinformationen so modelliert, verwaltet und zugänglich gemacht werden können, dass sie in unterschiedlichen Anwendungsszenarien nutzbar bleiben. IFC, offene Datenstrukturen und semantisch verständliche Modelle bilden dafür eine wichtige Grundlage. Entscheidend ist jedoch, dass diese Grundlagen in Software so umgesetzt werden, dass sie für Anwenderinnen und Anwender handhabbar werden. Die technische Herausforderung liegt daher nicht nur in der korrekten Unterstützung offener Standards, sondern in ihrer Integration in performante, intuitive und kollaborative Workflows.
Looking ahead…
Mit Blick nach vorn verbindet Eriks Perspektive openBIM stark mit AI, Automatisierung und neuen Formen der Interaktion mit Modellen. AI kann helfen, Informationen zu strukturieren, Modelle zu analysieren, Qualität zu verbessern und den Zugang zu BIM-Daten zu vereinfachen. Gleichzeitig bleibt klar: AI benötigt zuverlässige, strukturierte und semantisch verständliche Daten. Genau deshalb wird openBIM durch AI nicht ersetzt, sondern eher wichtiger. Je stärker digitale Werkzeuge automatisieren, desto relevanter wird ein offener, überprüfbarer und maschinenlesbarer Informationsrahmen, auf dem diese Automatisierung aufbauen kann.
In a broader context…
Im größeren Kontext der Serie steht Erik de Keyser für die Rolle der Softwareindustrie als entscheidende Umsetzungsebene von openBIM. Sein Interview knüpft an Andrea Aiellos Softwareperspektive und Dieter Froyens Betonung der Nutzerfreundlichkeit an, führt diese Linie aber stärker in Richtung moderner Produktentwicklung, Skalierbarkeit und Zugänglichkeit weiter. Dadurch wird sichtbar, dass die Zukunft von openBIM nicht allein in der Weiterentwicklung der Standards liegt. Sie hängt ebenso davon ab, ob Softwareprodukte entstehen, die diese Standards konsequent, verständlich und produktiv in die tägliche Arbeit der Branche integrieren.
