1. Start
  2. /
  3. Docs
  4. /
  5. Level of Information Need...
  6. /
  7. Kapitel 9 – Schritt...

Kapitel 9 – Schritt 2 – Level of Information Need

Im zweiten Schritt, dem “Wie” bzw. der Definition des Level of Information Need, ist die Art der Information zu bezeichnen. In der SN EN 17412-1:2020 werden hierzu drei Kategorien für die Bezeichnung der Art (Ausprägung) der Informationslieferung verwendet. Ziel ist die Bereitstellung maschinen- und mensch-interpretierbarer Informationen.

  1. Geometrie Information, die als Detaillierung, Dimension, Position (Verortung), visuelle Erscheinung und Parametrik definiert wird.
  2. Alphanumerik Information, die über eindeutige Schlüssel (Quelle) identifiziert und über Attribute und Eigenschaften bezeichnet wird.
  3. Dokumentation Information, die das Lieferergebnis zu einem bestimmten Zeitpunkt darstellt.
Methode zur Definition der Informationsbedarfstiefe, des «Level of Information Need» in zwei Schritten nach der Norm, SN EN 17412-1:2020 (Quelle: eigene Darstellung)
Abbildung 5: Methode zur Definition der Informationsbedarfstiefe, des «Level of Information Need» in zwei Schritten nach der Norm, SN EN 17412-1:2020 (Quelle: eigene Darstellung)

1. Geometrische Informationen

Für die Festlegung der geometrischen Information für ein oder mehrere Objekte sollten die folgenden unabhängigen Aspekte festgelegt werden.

Kriterien zur Festlegung der Geometrie
Abbildung 6: Kriterien zur Festlegung der Geometrie

Detaillierung

Bezeichnet, wie ein Objekt in seiner detaillierten geometrischen Auflösung in Relation zur vorgesehenen Realität gegliedert wird. Die Detaillierung kann sehr rudimentär erfolgen und im Gesamtmodell als Platzhalter für die Anbindung weiterer Informationen fungieren. Objekte können aber auch umfassend detailliert werden, um eine optimale Nähe zur geplanten Realität zu erreichen.

Beispiele:

  • Tür, die reduziert als Loch in einer Wand dargestellt wird versus Tür, die in allen Bestandteilen gegliedert also, also der Zarge, dem Türblatt, dem Türdrücker, der Schwelle, etc.
  • Decke, die reduziert wird als orthogonaler, räumlicher Körper versus Decke, die als Holzbalkendecke in allen Bestandteilen gegliedert ist, mit der Balkenlage, dem Blindboden, der Trittschalldämmung, dem Bodenbelag etc.

Bemerkung: Siehe dazu auch Kapitel 14 Umgang mit der Definition LOG / LOI und Beispiele zur Informationsbedarfstiefe.

Objekt und geometrische Auflösung - Detaillierung
Abbildung 7: Objekt und geometrische Auflösung – Detaillierung

Dimension

Stellt die Anzahl der räumlichen Dimensionen dar, die das Objekt charakterisieren. Das Objekt kann in seiner Dimensionalität von Nulldimensional 0D bis Dreidimensional 3D bereitgestellt werden.

Beispiele:

  • Nulldimensional, 0D als Ortspunkt
  • Eindimensional, 1D als Linie
  • Zweidimensional, 2D als Oberfläche, Fläche
  • Dreidimensional, 3D als Körper, Volumen
Objekt und seine Räumliche Charakteristik - Dimension
Abbildung 8: Objekt und seine Räumliche Charakteristik – Dimension

Lage

Die Verortung eines Objekts ist bei der disziplinenübergreifenden Zusammenarbeit eine zentrale Voraussetzung. Die Position, Ausrichtung eines Objekts kann absolut auf einen Referenzpunkt bezogen oder relativ zu einem anderen Objekt sein.

Beispiele:

  • Absolute Lage eines Objektes in einem Raster, mit seiner Position und Orientierung zu einem Referenzpunkt, wie dem Vermessungspunkt in einem Koordinatenreferenzsystem (LM95).
  • Struktureller Bezug im Rahmen des Modells, wie Areal, Bauwerk, Geschoss und Bauteil (site, buiding, story, object).
  • Lage eines Objekts in Relation zu einem anderen Objekt, wie eine Stützenreihe, die in einem bestimmten Raster gesetzt wird, eine Türe, die sich in einer bestimmten Position in einer Wand befindet.
Objekt; die Position Areal, Objekt Geschoss, Zone und Raum– Lage
Abbildung 9: Objekt; die Position Areal, Objekt Geschoss, Zone und Raum– Lage
Objekt; die Position im Projekt in Relation zu Objekten – Lage
Abbildung 10: Objekt; die Position im Projekt in Relation zu Objekten – Lage

Darstellung

Die visuelle Darstellung eines Objekts kann von einer reduzierten, symbolhaften bis zu einer realistischen Darstellung mit Bezug zur realen Welt reichen. So können die Oberflächeneigenschaften wie Farbgebung, Transparenz, Reflexionsgrad oder Emissivität diffus bis sehr präzise dargestellt werden.

Beispiele:

  • Die Typisierung von Bauteilen kann mittels farbliche Darstellung hervorgehoben werden, wie Warm- und Kaltwasserleitungen, Stark- und Schwachstromleitungen, etc.
  • Ein Objekt kann vereinfacht dargestellt werden als Symbol, wie eine Lampe, ein Lichtschalter, etc.
  • Für die Auszeichnung von Flächen und Nutzungsarten der SIAd0165 können den einzelnen Flächenarten Farben zugewiesen werden.
  • Zur Kennzeichnung der Zonen und Bauteile im Brandschutz können Farben zugewiesen werden.
Objekt und die visuelle Information - Darstellung
Abbildung 11: Objekt und die visuelle Information – Darstellung

Parametrik

Die Parametrik bezeichnet, ob bei einem Objekt Position, Dimension, Detaillierung, Darstellung und Ausrichtung aufgrund von Parametern erzeugt und verändert bzw. neu konfiguriert werden können. Das parametrische Verhalten eines Objekts kann als Teil der Informationsbereitstellung übertragen und somit vollständig oder teilweise verändert werden.

Beispiele:

  • Ein Objekt kann in seinem parametrischen Verhalten verändert werden, indem die Parameter verändert werden, z.B. in der Dimension, der Detaillierung etc.
  • Bauteile wie z.B. Türen und Fenster können auf die im Projekt erforderliche Situation und Abmessung angepasst werden.
Objekt und die Veränderbarkeit – Parametrik
Abbildung 12: Objekt und die Veränderbarkeit – Parametrik

2. Alphanumerische Information

Für die Festlegung der alphanumerischen Informationen für ein oder mehrere Objekte müssen die Identifikation und der Informationsgehalt definiert werden.

Kriterien zur Festlegung der Alphanumerik
Abbildung 13: Kriterien zur Festlegung der Alphanumerik

Identifikation

Mit der Identifikation wird ein Objekt innerhalb einer Gliederungsstruktur positioniert. Die Positionierung ist für den Aufbau und die effiziente Bewirtschaftung sowie das Informationsmanagement wichtig. Sie bildet die Voraussetzung, um die Übersetzung (Mapping) unterschiedlicher Gliederungen sicherzustellen.

Beispiele:

  • Bezeichnungen, Typbezeichnung, Klassifizierung Name, Typbezeichnung, Klassifizierung, Codierung, Referenzstruktur, Index, Nummerierung usw., wie z.B. Flächen- und Nutzungsarten nach SIAd0165, Kosten nach eBKP-H, Bauteiltypen.
  • Gliederung innerhalb der Autorensoftware (nativ – Allplan, Revit, Archicad, Vektorworks, etc.) und Gliederung des IFC-Datenmodells.
  • Die GUID, Globally Unique Identifiers, für die eineindeutige Kennzeichnung eines Objekts, der Attribute.

Der Name wie die Typbezeichnung und Klassifizierungen können durch eine Datenvorlage nach SN EN ISO 23387 dargestellt oder mit dieser verknüpft werden und bilden eine allgemein gültige Grundlage, um die Merkmale baulicher Objekte zu beschreiben (z.B. Produkte, Systeme, Baugruppen).

Inhalt

Entsprechend dem Verwendungszweck werden für die Lieferobjekte und Gliederungsstruktur spezifische Informationen gefordert. Ausgangspunkt für die Bestimmung der Information und der Informationsbedarfstiefe bildet der Anwendungsfall. Der Aufbau der Gliederung und der Merkmale berücksichtigt im Idealfall die Struktur des Mediums, über das die Lieferobjekte bereitgestellt werden. Der offene Standard dafür ist IFC5. Die Identifizierung der einzelnen Objekte über die Merkmale hilft den Beteiligten, diese Informationen einer breiten Nutzerschaft zu erschliessen. Die alphanumerischen Informationen können gruppiert werden, ausgehend von Typen und Gruppen mit ähnlichen Eigenschaften (Türen und Fenster, Wand und Deckenbeläge).

Beispiele:

  • Information zum Tragverhalten von Bauteilen, z.B. tragend – nicht tragend.
  • Information zur Randschutzklasse oder Wärmedurchgangskoeffizienten eines Bauteils, etc.
  • Informationen zu Bauteilen im Betrieb, wie Reinigung, Unterhaltszyklen, etc.
  • Information zu den technischen Eigenschaften eines Bauteils, wie dem effektiv geforderten oder eingesetzten Produkt.

Die Merkmale, alphanumerischen Informationen, in Datenvorlagen können der SN EN ISO 23386 folgend erstellt werden.

3. Dokumentation

Im Projekt werden weiterführende Informationen benötigt, welche in Form von Dokumenten beizubringen sind. Die im Projekt geforderten Dokumente sind durch die Beteiligten zu benennen.

Kriterien zur Festlegung der Dokumentation
Abbildung 14: Kriterien zur Festlegung der Dokumentation

Die Dokumentation zu einem oder mehreren Objekten unterstützt Prozesse, Entscheidungen, Genehmigung und Verifizierung von Informationsbereitstellungen und sollte in entsprechenden Dokumenten vorliegen. Zwischen- oder Abschlussergebnisse können auf diese Weise einfach dokumentiert werden.

Es empfiehlt sich, Art, Typus und Anzahl der Dokumente festzulegen und den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem sie vorhanden sein müssen. Diese Dokumente, auch Lieferobjekte genannt, können in Planlisten und Dokumentversionen ausgewiesen werden.

Beispiele:

  • Berichte zum baulichen Zustand, dem Baugrund, etc.
  • Dokumentation via Foto zum Zustand und/oder Status von Arbeiten vor Ort.
  • Skizzen, Pläne und Schemata, etc.
  • Abnahmeprotokolle, Garantieschein, etc.
  • Bestimmungen, Vereinbarungen und Verträge, durch die Beteiligten gezeichnete Exemplare.

5IFC Industry Foundation Classes: Offener internationaler Standard für den Austausch von digitalen Bauwerksmodellen nach SN EN ISO 16739

Copyright

Dieses Dokument ist als «Creative Commons Attribution-NonCommercial-ShareAlike 4.0 International Lizenz» als Namensnennung – nichtkommerziell Weitergabe – unter gleichen Bedingungen lizenziert

Creative Commons

Don`t copy text!