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Kapitel 4 – Herausforderung

Ein Blick auf aktuelle Projekte zeigt, dass es – trotz der Vorteile des modellbasierten Ansatzes (BIM) – bei der Anwendung einige „Informationsaustausch-Dilemmas“ gab und immer noch gibt. Für die zielgerichtete Projektabwicklung ist es aus Sicht der Beteiligten wichtig, in einem ersten Schritt die Voraussetzung, d.h. das Ziel und den Zweck, zu definieren. Es muss klar sein, warum wann wer was an Information benötigt. Präzise Antworten sind hier unabdingbar. Auch aus ökonomischen Gründen ist «so viel wie nötig» und nicht «so viel wie möglich» sinnvoll, die Bereitstellung von unnötiger Information sollte vermieden werden, um die Ressourcen in einem Projekt auf die wichtigen Aufgaben zu konzentrieren. Um dies zu gewährleisten, muss im zweiten Schritt, nämlich der Beschreibung des Informationsbedürfnisses, auf einer breit abgestützten Methode aufgebaut werden. In der Norm, SN EN 17412-1:2020 „Bauwerksinformationsmodellierung Informationsbedarfstiefe – Teil 1: Konzepte und Grundsätze“ wird diese Methode dargelegt.

In den vergangenen Jahren hat sich in der Zusammenarbeit etabliert, dass die Informationsbedarfstiefe (LOIN – Level of Information Need) der Informationsempfänger:innen mit der Deklaration der Informationslieferung in den Abstufungen LOG (Geometrie) und LOI (Alphanumerik) sowie den weiterführenden Dokumenten (Lieferobjekte) beantwortet wird.

Die Erfahrung der Praxis zeigt, dass die Akronyme «LOG und LOI» sowie die Definitionen zu den Stufen «100-500» nicht wirklich geeignet sind, um ein erwartetes Lieferobjekt präzise zu beschreiben. Wenn Definitionen übernommen werden, um die Zusammenarbeit zu regeln, erfolgte dies bisher ohne die Anforderung, den Prozess und die Verantwortlichkeiten bezogen auf den Anwendungsfall abzuleiten und festzuhalten. Dies kann zu Widersprüchen in der Koordination der Beteiligten führen und öffnet den Interpretationsspielraum bei getroffenen Regelungen. Die für ein Bauwerk notwendigen Informationen können so nicht zuverlässig und widerspruchsfrei bereitgestellt werden.

Projektorganisation und Beteiligte

BIM-Projekte stehen bei der Bereitstellung und Nutzung von Information vor verschiedenen Herausforderungen: Zeit- und Kostendruck, steigende Anforderungen, divergierende Geschäftsmodellen, komplizierte Projektorganisationen, komplexe Entscheidungswege. Und dies in einer Situation, in der sich die Rollen und Kooperationsformen stark verändern und die reale und datenbasierte Zusammenarbeit immer relevanter wird.

In den etablierten Regelwerken für Planungs- und Bauprozesse sind die Grund- und Zusatzleistungen sowie die Vergütungsarten definiert. Die Planungsphasen sind in den Ordnungen des Schweizerischen Ingenieur- und Architekten Vereins (SIA) beschrieben: In der SIA 112 «Modell Bauplanung», in der Ordnung 101 «Leistungen der Bauherren» sowie in den Ordnungen 102, 103 und 108 für die Leistungen und Honorare (LHO). Die nötige Informationsbedarfstiefe sowie wie die Differenzierung in der Art der Information bezogen auf einen bestimmten Zeitpunkt ist allerdings nicht definiert. Dies wird im Kontext mit dem Bauwerk, den Bauteilen, Merkmalen, Ausprägungen und Dokumenten in der bisher üblichen Baupraxis als allgemein bekannt vorausgesetzt. Bei der Anwendung der BIM-Methode fehlt damit Wesentliches, wie z.B. bei der Planableitung aus dem Modell, der Mengermittlung für den Nachweis der Flächeneffizienz, der Ermittlung der Baukosten und der grauen Energie (CO2) oder der modellbasierten Kollaboration und Koordination. Arbeitsweise, Zusammenarbeit sowie Anwendungsfälle müssen neu definiert und die bisherige Praxis muss schrittweise in die Modellbasierte Arbeitsweise übersetzt werden. Die Vorteile sind allerdings nicht 1:1 übertragbar. Die Prozesse müssen gemeinsam definiert und abgestimmt werden, um den vollen Nutzen zu erschliessen.

Die Informationsbedarfstiefe muss entlang dem Projektterminplan und den definierten Meilensteinen in den entsprechenden Phasen gewährleistet sein, um die Koordination der Beteiligten, den Modellierplan und letztendlich den Projekterfolg sicherzustellen. Es braucht ein Konzept, eine Methode und ein Vokabular, mit dem eine schnelle und einfache Verständigung möglich ist.

Aktuell gibt es folgende Feststellungen aus der Praxis:

  • Die Projektbeteiligten haben, ausgehend von ihren Anwendungszielen, zu verschiedenen Zeitpunkten unterschiedliche Informationsbedürfnisse.
  • Bei den Rollen gibt es jene, die Informationen bereitstellen und jene, die die Information im Rahmen ihrer Anwendungen nutzen werden.
  • Der Nutzen des Lieferobjekts muss klar definiert sein, was eine Gliederungsstruktur voraussetzt, z.B. Elementplan, Klassifikationen oder Schemata.

Planer:innen, Unternehmen und Organisationen haben eigene «Standards» geschaffen, die oft nicht einheitlich sind. Selbst innerhalb eines Unternehmens werden Anforderungen manchmal an die spezifischen Bedürfnisse eines Projektes angepasst.

Um eine zielgerichtete Projektabwicklung zu stärken, sind eindeutige Voraussetzungen zu schaffen. Es muss klar sein, warum (Zweck), wann (Zeit), wer (Beteiligte), was (Art) an Informationen benötigt. Zur Schaffung dieser Voraussetzung dient dieses Dokument, basierend auf der SN EN 17412-1:2020.

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