Das buildingSMART Data Dictionary (bSDD)56 ist ein sprachunabhängiges Informationssystem auf Grundlage der ISO 12006-357, in dem die bestehenden Begriffe im Bau- und Immobilienwesen in unterschiedlichen Dictionaries gesammelt und in Beziehung gebracht werden. Jeder auf der Plattform abgelegte Inhalt erhält eine eindeutige alphanummerische Identifikation (code oder UID) und einen Internetlink als Uniform Resource Identifier (URI) und bildet damit die Struktur für den objektorientierten Informationsaustausch.
Das bSDD dient als gemeinsame Bibliothek von Attributen, Einheiten, normativ festgelegte Klassen und deren zulässigen Beziehungen, welchen Objekten zugewiesen werden können. Die Bibliothek wird laufend ergänzt, konsolidiert und soll in verschiedene Landesprachen übersetzt werden. Damit entsteht ein Informationsmodell mit logischen Relationen als Grundlage für ein gemeinsames Verständnis zwischen menschenlesbaren Informationen und verarbeitbaren Daten in Algorithmen (Ontologie). Es bietet einen standardisierten Workflow, um Datenqualität, Informationskonsistenz und Interoperabilität zu gewährleisten. Auf diese Weise können jedem Objekt in einem BIM-Modell Informationen aus unterschiedlichen Quellen zugewiesen und anschliessend verarbeitet werden, wenn diese auf Grundlage des gemeinsamen bSDD bereitgestellt wurden.
Im bSDD sind bereits verschiedene Klassifikationssysteme und Austauschformate aufgenommen. Es vereinfacht und koordiniert damit schon heute auf nationaler und internationaler Ebene. Normen liefern die nötigen Beschreibungen von technischen Eigenschaften auf Grundlage eines breiten und anerkannten Konsenses. Da jedes Property nach unterschiedlichen Normen gemessen werden kann, erfolgt die eindeutige Bestimmung immer im Zusammenhang mit der jeweiligen Prüfnorm, die zusammen mit den Leistungsdaten der Produkte (Values) von den Herstellern geliefert werden.
Das bSDD ermöglicht einen standardisierten Arbeitsablauf, der darauf aufbaut, dass bestehende Properties verwendet werden. Bei Duplikaten ist es wichtig, dass sie mit dem gleichen maschinenlesbaren Code versehen werden. Institutionen wie Industrieverbände oder nationale Standardisierungsorganisationen können auf Grundlage von Normen ihre eigenen Dictionaries erstellen, im bSDD veröffentlichen und mit bestehenden Dictionaries verbinden. Eine so eingebettete Klassifizierung ermöglicht es dem Nutzer, von einer Klassifizierung zur anderen zu wechseln, ohne dass bestehende nationale Daten-Standards für das Bau- und Immobilienwesen geändert werden müssten.
Vorteile:
- Nutzer können auf diese Strukturen zugreifen, um auf Grundlage dieser gemeinsamen Verständigungsgrundlage Daten in maschinenlesbarer Form zu liefern oder nachzufragen.
- Herstellende können auf dieser Basis ein Template für einen digitalen Produktepass erstellen.
- Planer können ein IDS erstellen für die Daten, die für die Auswertung des Gebäudemodells erforderlich sein werden.
- Programmierende finden die Codes der Properties, die in ihren Algorithmen die zur Berechnung benötigten Variablen bilden.
- Nutzer können bequem zwischen unterschiedlichen Klassifizierungssystemen wechseln, ohne alles neu verknüpfen zu müssen.
- BIM-Modellierende nutzen das bSDD für den einfachen und effizienten Zugriff auf alle Arten von Standards, um ihre Modelle anzureichern.
- BIM-Manager verwenden das bSDD, um auf Information Delivery Specifications (IDS) zu verweisen und BIM-Daten auf Gültigkeit zu überprüfen.
- Content-Ersteller profitieren von einem einzigen Einstiegspunkt zu verschiedenen BIM-Tools und -Plattformen.
Beispiele:
- Digitale Bereitstellung und Verarbeitung von EPD, dank dem bSDD-Dictionary «LCA Indicators and Modules», das von der Product Domain von buildingSMART international initiiert wurde und nun von der Sustainability Strategic Group weiter in der Anwendung gefördert wird.
- Übersetzung von harmonisierten Bauproduktenormen der Holzwirtschaft als Properties in den bSDD im «Industry Dictionary for Products in Wood».
56 buildingSMART International: buildingSMART Data Dictionary (bSDD)
57 ISO 12006-3:2022 – Building construction – Organization of information about construction works – Part 3: Framework for object-oriented information
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