Die Bau- und Immobilienwirtschaft steht vor grossen Herausforderungen, um zu einer nachhaltigen und kreislauforientierten Wirtschaft beizutragen, die den Zielen des EU Green Deal und des Pariser Abkommens entspricht. Um diese zu bewältigen, sind neue und erweiterte Instrumente auf Grundlage von Verordnungen, Gesetzen und Normen erforderlich. Diese sollen die umweltbezogenen Leistungen von Baumaterialien, Bauprodukten und Gebäuden bereits in der Planungsphase messen, verbessern und während des Betriebs überwachen. Zudem braucht es Wirtschaftsmodelle, die die Materialeffizienz und die Wiederverwertung von Ressourcen fördern. Verschiedene Organisationen arbeiten in der EU an der Entwicklung und Umsetzung dieser Massnahmen, um die Bau- und Immobilienwirtschaft in eine grünere, smartere und innovativere Zukunft zu führen.
Es existieren zahlreiche Initiativen und Instrumente, die umweltbezogenen Leistungen von Bauwerken bewerten, wie z.B. das EU-Energielabel, das EU-Umweltzeichen, die Ecodesign for Sustainable Product Regulation (ESPR), die Construction Product Regulation (CPR), die Environmental Product Declaration (EPD) und die Level(s)-Initiative. Die Schweiz arbeitet mit der EU in verschiedenen Bereichen des European Green Deals zusammen und wird sich an den europäischen Vorgaben orientieren.
In diesem Whitepaper wurden die Zusammenhänge dieser verschiedenen Instrumente aufgezeigt. Die Integration der umweltbezogenen Leistungen in sämtliche Prozesse des Planens, Bauens und Betreibens ist von hoher Relevanz für nachhaltige und kreislaufwirtschaftliche Aspekte. Mit der Einführung von Digital Building Logbooks (DBL) und Digital Product Passports (DPP) werden wichtige Instrumente über die Umwelt- und Sozialleistung, die Herkunft, die Zusammensetzung, die Qualität und die Wiederverwendbarkeit von Gebäuden und Bauprodukten eingeführt.
Für die digitale Vernetzung von Bauproduktdaten sind diese Bestrebungen von grosser Bedeutung, da interoperable und maschineninterpretierbare Daten auf verlässlichen Standards und Klassifikationen basieren. Die Digitalisierung spielt eine Schlüsselrolle in der modernen Bau- und Immobilienwirtschaft. Instrumente wie das digitale Logbuch oder der digitale Produktpass sind entscheidend für die Erfassung und Verwaltung von Daten über den Lebenszyklus eines Gebäudes oder eines Bauprodukts. Sie ermöglichen eine transparente und effiziente Verwaltung von Informationen, die für die Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft unerlässlich sind.
Standards und Services von buildingSMART International (bSI) sind entscheidend für die Harmonisierung der Digitalisierung in der Bau- und Immobilienwirtschaft. Sie ermöglichen die Interoperabilität und Kompatibilität von digitalen Werkzeugen und Plattformen, die für eine effiziente Datenverwaltung und -nutzung im Rahmen der oben erwähnten Massnahmen unerlässlich sind. Ein wichtiger Service ist das buildingSMART Data Dictionary (bSDD), das eine standardisierte Arbeitsweise für die Datenqualität, die Informationskonsistenz und die Interoperabilität bietet. Durch die Verwendung des bSDD wird die Informationsverwaltung transparenter und effizienter, was für die Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft entscheidend ist.
Die gesetzlichen und normativen Grundlagen, die die EU und die Schweiz in den nächsten Jahren einführen, bilden eine wesentliche Grundlage für digital vernetzte Bauproduktdaten. Diese Grundlagen umzusetzen, wird die Bau- und Immobilienwirtschaft sowie die Hersteller von Bauprodukten und Baumaterialien herausfordern. Schlussendlich wird die Geschwindigkeit bei der Implementierung dieser Vorgaben zentral sein, um die mittelfristigen Klimaziele bis 2030 überhaupt zu erreichen.
Konzeptionell ist der Weg mit dem Green Deal der EU bereits vorgegeben, im Detail ist jedoch noch sehr vieles unklar und wird erst in den kommenden Jahren definiert werden.
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