Die Environmental Product Declaration (EPD) beschreibt Bauprodukte im Hinblick auf ihre Umweltwirkungen auf Basis von Ökobilanzen sowie ihre funktionalen und technischen Eigenschaften. EPD sind bewährte Verfahren zur Deklaration der Umweltleistung eines Bauprodukts in den Lebenszyklusphasen Herstellung und Entsorgung. Sie eignen sich zur Berechnung von funktionalen Einheiten oder ganzen Systemen, auf deren Grundlagen schliesslich die Interpretation der Ergebnisse erfolgt.
Umweltdeklarationen von Baustoffen mit quantitativen Aussagen wie die Environmental Product Declaration (EPD), werden als Umweltzeichen Typ III nach ISO 14025 eingestuft. Die Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte ist auf internationaler Ebene in ISO 2193046 beschrieben. In Europa wurden diese Regeln in SN EN 15804+A247 übernommen und leicht ergänzt. In den EPD werden die Indikatoren für Umweltauswirkungen als Werte nach Lebenszyklusphasen mit ihren Modulen in Tabellen dargestellt. Für Bauprodukte werden in EPD meist nur die Module A1-A3 und C1-C4, sowie Modul D angegeben.

8.3.1 Bereitstellung und Nutzung von Ökobilanzdaten
Die Ökobilanzdaten im Baubereich der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren (KBOB), der Interessensgemeinschaft privater professioneller Bauherren (IPB) und von ecobau basieren auf einer LCI-Datenbank des Bundes in Zusammenarbeit mit ecoinvent48. Die KBOB-Ökobilanzdaten sind grösstenteils generisch, d.h. dass sie auf Grundlage von Durchschnittsdaten von Herstellern berechnet wurden und damit eine ganze Gruppe von spezifischen Produkten repräsentieren. Der Vorteil dabei ist, dass sich Unternehmen verbindlich auf diese Daten stützen könnten, wenn diese künftig im Rahmen des Bauproduktegesetztes gefordert würden. Neben diesen generischen Daten existieren auch spezifischere Datensätze, beispielsweise von Herstellern, die sich von den Durchschnittsdaten unterscheiden möchten und selber eine EPD erstellen lassen oder diese künftig aufgrund ihrer Relevanz von Gesetzeswegen bereitstellen müssen.

8.3.2 EPD-Datenbank
Aufgrund der fehlenden Austauschformate und Maschinenlesbarkeit haben Firmen begonnen, EPD zu sammeln und mit ihren Werkzeugen, Produkten (Software), Datenbanken und Dienstleistungen digital verarbeitbar zur Verfügung zu stellen. Die Definitionen in der EN 1580449 lassen Spielräume offen, die zu unterschiedlichen Bewertungen von Bauprodukten führen können. Die entsprechenden nationalen Rahmenbedingungen zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit sind im nationalen Vorwort der SN EN 15804 festgehalten.
Die Ökobilanz-Softwaretools beinhalten auch die jeweiligen Anforderungs- und Gewichtungsraster, um Gebäude-Ökobilanzen unter Einhaltung von Umweltzeichen Typ I wie z.B. DGNB, LEED, GRESB, BREEAM und Level(s) einfach und schnell zu erstellen. Sie umfassen zum Teil auch die Möglichkeit, Sachbilanzen (LCI) von Produkten abzubilden und damit EPD anzulegen.
46 ISO 21930:2017 – Sustainability in buildings and civil engineering works – Core rules for environmental product declarations of construction products and services
47 SN EN 15804+A2:2022-11 – Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte
48 Ecoinvent
49 EN 15804:2022 – Nachhaltigkeit von Bauwerken – Umweltproduktdeklarationen – Grundregeln für die Produktkategorie Bauprodukte
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