Digital vernetzte Bauproduktdaten als ...

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Kapitel 1 – Zusammenfassung

Das Bau- und Immobilienwesen ist einer der ressourcenintensivsten Wirtschaftszweige mit hohen, negativen Folgen auf die Umwelt. Um diese Belastungen signifikant zu reduzieren, müssen bei der Erstellung von Gebäuden die Umweltauswirkungen von Bauprodukten und Baumaterialien stärker berücksichtigt werden. Dazu müssen Hersteller künftig entsprechende Informationen digital zur Verfügung stellen können. Nur so wird eine kreislaufwirtschaftliche Betrachtung der bebauten Welt möglich sein. Mit dem European Green Deal wird ein Massnahmenpaket umgesetzt, das darauf abzielt, die EU bis 2050 klimaneutral zu machen und die Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55% zu senken. Davon sind auch Bauprodukte betroffen.

Mit der Sustainable Product Initiative (SPI), dem Circular Economy Action Plan (CEAP), dem Fit for 55 Paket und der Renovation Wave werden von der EU vier wesentliche Massnahmenpakete lanciert, die sich auf Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Umwelt konzentrieren und grossen Einfluss auf das Bau- und Immobilienwesen und die Zulieferindustrie haben werden. Um die dazu erforderlichen Daten maschinenlesbar bereitzustellen, wurde der Digital Produkt Passport (DPP) etabliert, der eine bessere Integration von Bauproduktinformationen über den Lebenszyklus von Gebäuden ermöglichen soll. Einerseits sollen damit neu auf einer gemeinsamen Grundlage die Umweltauswirkungen aus der Herstellung und Entsorgung von Gebäuden auf ein Minimum reduziert werden können. Andererseits soll gewährleistet werden, dass die eingesetzten Baumaterialen am Ende des Lebenszyklus optimal wiederverwendet oder rezykliert werden können. Damit stellt der DPP eine Schlüsselkomponente dar, um die Nachhaltigkeit in der Bau- und Immobilienbranche zu verbessern, Werte für die Eigentümer zu sichern und die effiziente Nutzung von Ressourcen zu gewährleisten.

Wer Bauprodukte herstellt oder in Verkehr bringt, ist direkt von der Construction Products Regulation (CPR) betroffen! Die CPR ist ihrerseits stark von EU-Verordnungen im Rahmen des European Green Deal, wie zum Beispiel der Ecodesign for Sustainable Product Regulation (ESPR) beeinflusst. Die ESPR greift die Informationen von Produkten im Gebäude ab und trägt dazu bei, dass Bauprodukte in der bebauten Welt rückverfolgbar werden und länger überdauern.

Die digitale Vernetzung von Bauproduktedaten in Gebäudemodellen ermöglicht eine bessere Planung von Gebäuden über den gesamten Lebenszyklus. Diese Transformation der Branche wird von der Gesellschaft dringend gefordert. Die Politik hat nun die Möglichkeit, die geeigneten Rahmenbedingungen für eine gemeinsame Verständigungsgrundlage für vernetzte Bauproduktedaten zu setzen.

Dieses Whitepaper veranschaulicht die Zusammenhänge zwischen den kommenden gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben und den daraus resultierenden Anforderungen an das digitale Planen, Bauen, Betreiben und den Rückbau von Bauwerken. Die Kreislaufwirtschaft stellt hohe Anforderungen an die Digitalisierung der Baubranche: Bauprodukte müssen eindeutig identifizierbar, klassifizierbar und untereinander vergleichbar sein. Datenqualität und Interoperabilität sind somit von zentraler Bedeutung. Die Data Dictionaries bieten hier eine wichtige Verständigungsgrundlage, sie tragen dazu bei, die Maschinenlesbarkeit von Daten zu verbessern, indem sie eine einheitliche Struktur und Terminologie für Produktinformationen öffentlich bereitstellen.

Um die Informationen über Bauprodukte zu strukturieren und zu standardisieren, erarbeitet die EU mit dem Digital Product Passport (DPP) eine Lösung, die sich auf der ISO 233861 und ISO 233872 abstützt. Herstellende und Inverkehrbringende von Bauprodukten können damit Ihre Produktinformationen auf der Grundlage von gemeinsamen Dictionaries maschinenlesbar zur Verfügung stellen. Ein Product Data Template (PDT) hilft Vorlagen für solche digitalen Datenblätter anzulegen, die dann nur noch ausgefüllt werden müssen. Die digitalen Produktdatenblätter werden eindeutig identifiziert und in Registern abgelegt, die Informationen bleiben über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes bei allen Akteur:innen digital vernetzt. Das wiederholte Abtippen und Interpretieren der Daten aus unterschiedlichen Formaten und mit verschiedenen Bezeichnungen, mitsamt den damit verbundenen Komplikationen, entfallen. Die vereinfachte Nutzung dieser Daten über Algorithmen fördert die automatisierte Auswertung und Optimierung und unterstützt alle Aspekte der Bau- und Immobilienwirtschaft von der Planung, Nutzung und Entsorgung bis hin zur Baueingabe von Gebäuden. Denn Auswertungen von Gebäudemodellen, z.B. im Hinblick auf Nachhaltigkeit, Zirkularität, Transparenz, Kosten oder Unterhalt hängen wesentlich von den Bauproduktedaten ab.

1 ISO 23386:2020 – Building information modelling and other digital processes used in construction

2 ISO 23387:2020 – Building information modelling (BIM) – Data templates for construction objects used in the life cycle of built assets

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